Chile.
Reisezeit: 31.01.2007 bis 12.04.2007
Visum: Aufenthalt 3 Monate ohne Visum möglich.
Hunde: Von Argentinien kommend benötigt man eine tierärztliche Gesundheitsbescheinigung mit der man zur SENASA geht und bekommt dort eine zweite Bescheinigung, die an der Grenze vorzulegen ist.
Versicherung: Wir haben in Mendoza eine neue Versicherung , gültig für ½ Jahr, für 263 Pesos bei der San Cristobal in Argentinien abgeschlossen, die für fast alle südamerikanischen Länder gilt.
Carnet de Passages: Nicht erforderlich. Man bekommt ein landeseigenes Titulo De Importación Temporal De Vehiculos und das Fahrzeug kann bis zu 3 Monate im Land bleiben.
Währung: Chilenischer Peso. Ca. 700 Pesos = 1 Euro, 538 Pesos = 1 US$.
Bargeld: Bei allen Banken und an Automaten mit Visa/Master/ (Maestro bis zu 400000 Pesos).
Kreditkarten: Visa/Master/Maestro sind weit verbreitet.
Diesel: Zwischen 430- 460 Pesos. Benzin: ca. 580 Pesos.


Am 31.01.2007 stehen wir am Grenzübergang Chile Chico an der Grenze zu Chile. Wir drücken sofort dem zuständigen Beamten von der SAG (was in Argentinien die SENASA ist) unsere Hundepapiere in die Hand. Alle anderen Formalitäten sind schnell erledigt. Ohne unser Fahrzeug nach Früchten und dergleichen zu kontrollieren, können wir die Grenze passieren. Übrigens bis jetzt der freundlichste und angenehmste Übergang nach Chile. Wir fahren entlang dem Lago General Carrera, in der Mitte die Grenze Chile - Argentinien, hier heißt er Lago Buenos Aires und ist der zweitgrößte See Südamerikas.
Ab dem Grenzort Chile Chico beginnt die knüppelharte Piste mit üblen Löchern und Wellblech, dass uns fast die Plomben aus den Zähnen rappeln, aber dafür werden wir für herrliche Landschaft entschädigt. Es ist ein ständiges bergauf und bergab. Unser MAN hat seit langem mal wieder richtig zu arbeiten mit natürlich gehörigem Durst.
Wir erreichen den Ort El Maitén und biegen Richtung Norden auf die Ruta 7, die legendäre Carretera Austral oder die Panamericana. Einige Kilometer südlich findet sie ihren Anfang und endet nach ca. 15000 Km in Alaska. Nach langem Tag auf harter Piste sind wir froh einen schönen Platz an einem Bergbach zu finden.
Aber was kann ich euch berichten, es scheint als hätten wir im Moment Läuse und Flöhe zusammen, alles kommt auf einen Haufen. Nicht nur, dass zum dritten Mal unser linkes Außenplanetengetriebe ölt, nein, zur Abwechslung bricht uns jetzt zum ersten Mal der rechte vordere Federbolzen. Aber nicht nur das, innerhalb von drei Tagen haben wir auch noch zwei Plattfüße vorn. Da es mit dem ölenden Planetengetriebe noch nicht so hochdramatisch ist, wechsle ich nur den Bolzen in Windeseile, denn man hat ja jetzt langsam Übung in diesen Dingen.Doch glücklicher macht mich das nicht. Als ich so in meinen Federn vertieft bin, ruft einer von der Brücke ganz oben: "Eh ihr da, wie kommt man zu euch herunter?" Einige Minuten später steht Sascha da, mit seinem Nissan Patrol, den wir schon vor einiger Zeit in Argentinien getroffen haben. Er fährt noch eben ins nahe gelegene Dorf, um uns alle mit lecker Grillfleisch zu versorgen und wir runden den Abend mit reichlich Alkohol ab. Nach zwei Tagen
brechen wir wieder auf und zwei weitere Tage später kommen wir doch nicht umhin, unseren Simmering vom Außenplanetengetriebe zu wechseln. Also legen wir einen außerplanmäßigen Stopp ein, denn das Öl tropft nur so aus unserer Bremstrommel. Na und weil ich schon mal dabei bin, kann ich auch gleich die kaputten Staubdichtungen vom Bremszylinder wechseln und unseren letzten Plattfuß flicken, so hat sich das dann auch gelohnt. Nach vollendeter Arbeit schlürfen wir uns uns noch einen Kaffee in aller Ruhe. Plötzlich schauen wir uns an, was wackelt denn hier so? Zwei Mal innerhalb von 10 Minuten erleben wir ein Erdbeben, nicht dramatisch, aber ein sonderbares Gefühl.
Übrigens nichts besonderes hier in Chile, mehr als 500 Mal im Jahr wackelt hier die Erde. In Coihaique versorgen wir uns erst einmal mit frischem chilenischen "Zaster", damit wir erst mal wieder nach Herzenslust unser Fressalienlager auffüllen können.
Auf unserem Weg müssen wir durch den Nationalpark Queulat, der mal ausnahmsweise nichts kostet. Kurz vorher treffen wir noch Christina aus Brasilien wieder. Sie kämpft gerade auf der steinigen Piste mit ihrem vollbepackten Drahtesel gegen kalte Windstärke 18 oder so an. Das arme Mädchen ist völlig erschöpft, wir können ihr leider nicht helfen. Sie hätt sich ja auch ein Auto zum Reisen kaufen können?!
Der Park ist einfach eine Augenweide, völliger Urwald erwartet uns hier. Die fast einspurige Piste führt vorbei an unzähligen Wasserfällen, chilenischem Rhabarber, deren Blätter teilweise mehr als 1,5 Meter Durchmesser messen. Eine unübersichtliche Kurve jagt die andere und nicht selten bringen wir unsere Räder zum Blockieren, weil die Chilenen meinen, ihnen gehört die Piste allein.
Lustig mit anzusehen wie den Burschen dann mit weit offenem Mund die Augen vor Schreck fast an die Frontscheibe knallen. Wir haben vollstes Verständnis für deren Situation. Andere wiederum pochen auf ihr Recht in der Mitte zu fahren und wir sollen in den Graben, aber ich halte stur drauf zu, was glaubt ihr wer gewonnen hat? Wir machen uns zwar keine Freunde damit, aber was soll's, ein paar mehr oder weniger bringen uns nicht um. Nach ca. 900 Km müssen wir Chile wieder verlassen, denn ab nun geht es nur noch auf dem Wasserweg weiter und der ist uns zu teuer.
Kurz vor der Grenze nach Argentinien, in Futaleufu, bei S 43°12.294' und W 71°54.768' finden wir ein ausgesprochen schönenes Plätzchen an einem glasklaren Fluss und zudem noch alte Bekannte und wir beschließen einige Tage hier zu verweilen. Zum ersten Mal buche ich eine Rafting-Tour mit dem Schwierigkeitsgrad 4-5, wenn das einem was sagt, bei 6 soll angeblich Schluss sein und nicht mehr zu bewältigen. Also besagter Tag, wir fahren mit dem Auto, 6 wagemutige Männer + 1 Frau, zum Startplatz. Nach einem Kurs in Verhaltensregeln, springen wir in unsere Neoprenanzüge, Schwimmweste an, Helm auf und stechen in Fluss. Tolle Landschaft begleitet uns links und rechts des Ufers. Dann, es wird unruhiger und plötzlich paddeln wir auf die ersten Stromschnellen zu. Ca. 3 Meter hohe Wellen stellen sich uns in den Weg, der Skipper schreit irgendwelche Instruktionen und schwupp sind wir durch. Das ist ja easy, denke ich. Der Fluss beruhigt sich und wir bekommen die nächsten Instruktionen für's nächste Abenteuer, was sich schon laut tosend ankündigt. Alle paddeln wie die Blöden, doch wir gehen quer, im wahrsten Sinne des Wortes, den Bach runter und es kommt wie es kommen muss, unsere Nussschale bäumt sich auf und wir gehen alle baden. Meine Leidensgenossin taucht aus den Fluten auf und krallt sich in ihrer Panik an meiner Rettungsweste fest und ich bin noch unfähiger die Richtung zu halten. So kommt das Unvermeidliche, wir knallen auf einen Felsen. Mein Ellenbogen schmerzt und plötzlich sind wir durch diese Mörderstromschnelle hindurch. Es dauert noch eine halbe Stunde bis der Lumpensammler mit seinem Rettungsboot alle wieder eingesammelt hat. Und so geht es 2 Stunden weiter, allerdings ohne ein weiteres Mal baden zu gehen. Mein Ellenbogen hat bis auf einen schmerzenden Bluterguss nichts weiter abbekommen.
Am 11.02.07 stehen wir wieder einmal an der Grenze zu Argentinien bei Futaleufu. Ratzfatz sind wir über die Grenze ohne irgendwelche Kontrollen und schon sind wir auf dem Weg nach Trevelin um einzukaufen und zu tanken. Doch auch hier weigert sich die YPF-Tankstelle uns den Diesel zum normalen Preis von 1,379 Pesos zu verkaufen und wir winken ab. Am Ende des Ortes versuchen wir es bei Petrobras. Bei uns kein Problem, sagt uns der Tankwart, 100 Liter zu 1,379, alles über 100 Liter zu 2,60 Pesos. Ich winke wieder ab und will schon losfahren. "Wieviel Liter braucht ihr denn?" Ich sage mindestens 300 Liter, o.k. ihr bekommt es zum normalen Preis. Na geht doch !!!!!
Zum zweiten Mal steuern wir Siete Lagos an, die wir beim ersten Mal im Winter erlebt haben. Eigentlich müsste jetzt Sommer sein, doch weit gefehlt. Wir haben zwei Tage Dauerregen. Am Morgen des dritten Tages fallen dicke Schneeflocken, die sich aber gegen Mittag verflüchtigen.
In San Carlos de Bariloche, man nennt diese Gegend die Schweiz Argentiniens, wollen wir eigentlich ein paar Tage rasten. Doch was uns hier erwartet ist eine der übelsten Städte, die wir gesehen haben. Der totale Touristennepp mit den entsprechenden Preisen und Verkehr ohne Ende. Nix wie weg hier! Übrigens, man sollte auf jeden Fall noch vor Bariloche tanken, denn ab dort wird der Sprit um ca. 20 Centavos teurer!!!! Ab hier endet der staatlich unterstützte Spritpreis. Wir erreichen San Martin de los Andes. Da es kurz vor der chilenischen Grenze liegt, wollen wir uns hier unser Gesundheitszertifikat für die Hunde holen. Zwar ist dieser Ort auch total auf Tourismus ausgelegt, aber es hat einen leicht verschlafenen Touch, ist nicht so überlaufen und gefällt uns sehr gut. Da gerade Wochenende ist und die Büros geschlossen sind, haben wir ausreichend Möglichkeit die Stadt zu Fuß zu erkunden. Unserm Eros gefällt das allerdings nicht, denn der wird immer fauler und bewegt sich nur noch wenn es unbedingt sein muss. Wir stehen am Ortseingang auf einem kleinen Kiesplatz, viele Interessierte kommen uns besuchen. Da ich uns aus Deutschland ein MP3-Radio mitgebracht habe, was bei uns wesentlich billiger ist, haben wir unser altes Autoradio mit CD-Player in der Ecke liegen. Marion schreibt ein Verkaufsschild, was wir in die Frontscheibe hängen wollen, für 50 US$. Ich geh raus, um es an der Scheibe zu befestigen, stehen da drei begeisterte Burschen, sehen den Verkaufszettel und verkauft ist unser alter CD-Player, der uns fünf Jahre treue Dienste geleistet hat. Am Montag geht es dann zum Tierarzt, den man an jeder zweiten Ecke findet und danach wie immer zur SENASA in der Belgrano 612 gegenüber der Polizei. Die Preise bei der SENASA sind Einheitspreise (13,40 Pesos pro Hund), wobei die Preise der Tierärzte zwischen 20 und 40 Pesos pro Hund schwanken. Kurz vor der Grenze wollen wir hier noch schnell Diesel tanken, aber alle Tankstellen wollen uns den edlen Saft nur zum saftigen fast doppelten Preis andrehen. Wir finden ca. 5 Km außerhalb der Stadt eine Petrobras Tanke, die diesen Nepp nicht mitmacht. So tanken wir hier für billige 1,55 Pesos.
A
m gleichen Tag fahren wir in den Nationalpark Lanín, wo sich auch der gleichnamige Vulkan Lanín befindet. Hunde erlaubt. Für 12 Pesos p.P. fahren wir in den Park und am Ende des Parks auf einen freien Camping zeigt sich uns der 3776 Meter hohe, ganzjährig schneebedeckte Vulkan in seiner ganzen Schönheit bei strahlend blauem Himmel. Was für eine Augenweide!!
Am 21.02.07 stehen wir bereits zum fünften Mal an der chilenischen Grenze am Paso de Mamuil Malal in der Nähe des Vulkan Lanín. Die Einreise geht zügig vonstatten und wir holpern auf der Ruta CH 119 im wahrsten Sinne des Wortes in Richtung Pucón.
Dies ist mit Abstand die härteste, löcherigste und übelste Piste, die wir bis jetzt gefahren sind.
Selbst ich als Pistenfreak bin froh, dass irgendwann die Piste wieder in Asphalt übergeht. Mit Chile scheinen wir auch irgendwie auf Kriegsfuß zu stehen. Kaum beginnt der Asphalt, halten wir auf einem Parkplatz an, um unserem geschundenen Rücken eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, zischt es wieder einmal aus unserem linken Vorderrad. Dies ist mittlerweile der 6. Plattfuß auf unserer Reise. Kaum ist das Rad gewechselt, kommt, man glaubt es kaum, Marcel Bunout, Chef von MAN-Chile des Weges. Er macht hier in der Gegend mit seiner Familie Urlaub. Wir schlabbern einige Gläschen Wein am Straßenrand und verabschieden uns wieder. Wir treffen uns sowieso am 05.03.07 in Santiago wieder, um unsere Reifen abzuholen. Sie sind noch nicht ganz weg, ruft er mir noch zu, sei froh, dass du deine Reifen so früh bestellt hast, Michelin hat vor kurzem die Preise um satte 20% angehoben. Glück muss man haben!!!!
Am nächsten Tag fahren wir bis kurz vor Pucón und statten dem Landhaus San Sebastian einen Besuch ab (S 39°13.844' W 71°50.194'). Die Besitzer, Gabriela und Andreas Bath, betreiben hier eine Übernachtungsherberge und Restaurant mit deutschen Spezialitäten. Da wir zum Mittagessen noch etwas früh dran sind, das heißt hier ca. 1400 Uhr, machen wir noch einen Spaziergang zu den 1 Km entfernten Wasserfällen Ojos del Caburgua. Mit knurrenden Mägen treffen wir pünktlich zur Mittagszeit ein und genehmigen uns zwei Schweinefilet mit Spätzle. Und weil's so lecker ist, ordern wir zum Abend sofort noch einmal, allerdings Gulasch mit Kartoffelpüree. Aber das ist noch nicht alles, denn der Nachmittag wird noch mit Apfelstrudel und Sahne verfeinert. Jaja werdet ihr sagen, das können wir jeden Tag haben, aber in diesen Ländern, in denen es weit aus mehr Rinder gibt als Menschen, wird die Küche von Rindfleisch beherrscht. Wenn man dann so wie wir eher ein totes Stück Schwein bevorzugt, muss man die Gelegenheit schnell beim Schopf packen und sich den Bauch voll hauen.Eigentlich ist man ja bescheuert, erst haut man sich die Kiepe so voll, dass man kaum noch laufen kann und danach muss man das Ganze wieder abtrainieren, indem man auf die Alm der Familie Bath steigt. Die kleine Wanderung lohnt sich, denn von hieraus haben wir einen traumhaften Blick auf den rauchenden Vulkan Villarrica. Wir können auf dem großen Grundstück der Familie umsonst übernachten. Wer allerdings Duschen und Toiletten benutzen möchte, muss dafür bezahlen. Was noch zu erwähnen ist, dass die Chefin des Hauses auch eigenes Brot nach deutschem Rezept backt und wir es uns nicht entgehen lassen am nächsten Tag noch bis Mittag zu warten, um eines dieser Köstlichkeiten unser Eigen zu nennen. Über Villarrica geht's dann über die Ruta Interlagos bis nach Cunco. Eine schnuckelige Piste durch die Berge. An einer Aussichtsplattform halten wir an, holen die Stühle raus und beschließen heute nicht mehr weiterzufahren, denn wir haben nochmals einen herrlichen Blick auf den Vulkan und den Lago Villarrica.
Weiter führt uns unser Weg durch den Nationalpark Conguillio. Eigentlich sind hier Hunde verboten, aber wir versprechen dem Ranger nur durchzufahren, die Hunde nicht laufenzulassen und nicht zu übernachten. Er läßt sich auf den Deal ein und für 3000 Pesos p.P. öffnet er uns den Schlagbaum. Hätte er uns allerdings vorher gesagt, was auf uns zukommt, wären wir umgedreht. Die nur ca. 23 Km lange Piste durch den Park ist an vielen Stellen so eng, dass wir so gerade mit unserem Goliath durchpassen. Zum Teil wirklich Millimeterarbeit in engen Kurven und an der Piste stehenden Bäumen, mit Steigungen die 4x4-Betrieb nötig machen, weil unsere Hinterräder durchdrehen. Und dann immer wieder Gegenverkehr, aber zum Glück nur PKW.
Von hier aus geht es weiter auf die Ruta 5 nach Norden bis zu dem größten Wasserfall von Chile, dem Salto del Laja, der sich über 100 Meter breit, 30 Meter in die Tiefe stürzt. Hier ist der Eintritt mal umsonst. Die Campingplätze sind hier zwar nicht umsonst, aber dafür zu eng für uns. So fahren wir ca. 1 Km durch den Ort und finden einen großen freien Platz zum Übernachten. Am Nachmittag gesellen sich noch Gisela und Rainer zu uns mit ihrem Mercedes 1114 - "Made bei Füss". Weiter geht's auf der Panamericana, Ruta 5, zum Naturreservat Siete Tazas. Wir fahren mit der Kawa vom Camping aus in den Park. Wie schon so oft sind auch hier Hunde verboten. Vom Parkplatz aus gelangt man auf einen 1 Km langen Fußweg zu den sieben terrassenförmig abfallenden Wasserfällen. Die Chilenen haben es auch raus die Touristen abzuzocken, denn wir müssen den doppelten Preis berappen (3000 Pesos p.P.).
Über die legendäre Panamericana erreichen wir am 03.03.07 Santiago.
Normalerweise muss man auf dem Ring um Santiago herum eine Extramaut bezahlen. Das erforderliche Pickerl kann man an Tankstellen kaufen, doch wir haben mehrfach gehört, dass das elektronische Erfassungssystem ausländische Kennzeichen nicht lesen kann und fahren somit ohne das Pickerl nach MAN.
Nach 70000 gefahrenen Kilometern, lassen wir hier alle Öle wechseln, Ventile einstellen, u.s.w.. Wie ich es fast erwartet habe, sind nicht alle Teile unserer bestellten Motorbremse vorrätig. Einen Befestigungsflansch hat man vergessen zu bestellen, aber es baumelt noch ein alter Flansch an unserem Abgasrohr rum den wir verwenden können. Na und da ist ja immer noch unser altes Problem mit den Federn!!!
Der MAN Chef Marcel Bunout sagt zu mir, es kommt nicht in die Tüte, dass du die teuren Federn von Deutschland bestellst. Wir haben hier eine Federfabrik die alle Federn für die amerikanischen LKW herstellt.
O.k., ich lass mich bequatschen und wir stehen am nächsten Tag in der Firma Invicta und lassen Maß nehmen. Ich erkläre dem Chef, dass ich mittlerweile ein gebranntes Kind bin. Wenn ich nicht zufrieden sei, würde man solange basteln, bis ich zufrieden wäre. Man sagt mir, sie werden alles etwas verstärken und dann klappt das schon, Preis für 2 Pakete inkl. Arbeit ca. 800 Euro - hört sich gut an. Ich sage noch, das Fahrzeug ist aber links 500 Kg schwerer. Alles kein Problem. Am nächsten Tag sind die Dinger eingebaut, die Kiste wird runter gelassen und hängt wie von mir erwartet links wieder runter. Alles freut sich, sieht doch gut aus, nur ich bin nicht zufrieden. Ich sag nur, entweder gleicher Stand auf beiden Seiten oder kein Geld. Also linkes Paket wieder raus, ein Blatt mehr rein und alles nochmal nachgebogen. Das Ergebnis sieht erstaunlich gut aus und ich bin zufrieden. Doch einen Haken hat das Ganze. Wir sind nun so hoch auf den Beinen, dass unsere Stoßdämpfer zu kurz sind. Wir bekommen noch zwei längere Stoßdämpfer verpasst und alles ist hoffentlich nun in Ordnung. Nur zur Erinnerung! 2 Pakete in Südafrika, aber Scheiße, kosteten 1600 Euro, 1 Originalpaket von MAN 1400+Märchensteuer in Deutschland, 1 Originalpaket in Santiago inkl. Fracht und 18%iger Märchensteuer auch nur 1400 Euro. Letzteres ist mir relativ unverständlich.
Da ich mittlerweile etwas skeptisch geworden bin, was die Haltbarkeit unserer Federbolzen angeht, lasse ich mir noch 4 zusätzliche Bolzen aus 10.9 Material drehen, Preis inkl. Touristenzuschlag 40 Euro. In Deutschland haben mich 4 dieser Bolzen von MAN sage und schreibe 246 Teuro + Steuer gekostet.
Nun aber genug der Zahlenspielerei. Ein bitterer Beigeschmack kommt auf, wenn wir an die MAN-Werkstatt in Santiago denken. Noch nie habe ich so viel Gleichgültigkeit und schlechte Koordination in den höheren Etagen erlebt. Der kleine Schrauber macht seine Arbeit eigentlich ordentlich, wenn man ihm auf die Finger sieht, aber auch an unserem Fahrzeug wurden Muttern vergessen anzuziehen, wie wir später in Mendoza feststellen mussten. Die von uns vor einem halben Jahr bestellten Ersatzteile wurden nicht korrekt oder gar nicht bestellt und bei Ankunft nicht kontrolliert. Eine Reparaturliste die zusammen mit dem Werkstattmeister erstellt wurde, wäre nur zu 1/3 fertig gestellt worden, hätten wir den Meister nicht daran erinnert, dass noch einiges fehlt. Aber das Härteste war, dass wir wahrscheinlich heute noch auf dem Werkstattgelände stehen würden, wenn wir nicht darauf aufmerksam gemacht hätten, dass auch wir Kunden seien und nicht das Maskottchen der MAN-Werkstatt. Eine Beschwerde bei Marcel Bunout, dem Chef der Firma, hat dann letztendlich Bewegung in die Sache gebracht. Das Einzige, was einwandfrei geklappt hat, war die Bestellung unserer 8 neuen Michelin 14.00 XZL Reifen. Unsere alten können wir noch für 200 US$ verkaufen. Nach ganzen 2 Wochen verlassen wir mit neuen Pneus das MAN-Gelände und fahren noch ein letztes Mal über'n Berg nach Mendoza, um unseren Freund Fabián in Argentinien zu besuchen.
Am 17.03.07 fahren wir zum zweiten Mal über den Paso Sistema Cristo Redentor, der übrigens für uns der schlechteste Pass ist, wenn es um die Abfertigung am Zoll geht. Vorsicht ist geboten bei der Einreise von Argentinien nach Chile. Man unterschreibt ein Formular, dass man keine verbotenen Sachen, wie Obst und Fleisch einführt. In diesem Fall hat man sie entweder sehr gut versteckt oder man hat wirklich nichts dabei. Finden sie bei der Kontrolle des Fahrzeugs die verbotenen Sachen, zerpflücken sie einem das Fahrzeug nach allen Regeln der Kunst (bis zu 3 Std.) und ist eine Strafe von 100 € los. Bekannten ist es so ergangen. Allerdings werden wir für einiges wieder entschädigt, wir sehen nämlich den 6959 Meter hohen und gleichzeitig höchsten Berg Amerikas, den Aconcagua, bei strahlendem Sonnenschein.
Am nächsten Tag treffen wir bei unserem Freund Fabián überraschend ein. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, dass wir noch mal wieder kommen, dementsprechend groß ist die Freude. Mendoza ist für uns wie das Schlaraffenland, es gibt hier fast alles um Mensch und Maschine zu versorgen. So lassen wir hier unsere zerdepperte linke Frontscheibe ersetzen. Da wird einen Tag vorher Maß genommen, am nächsten Tag steht man wie vereinbart um achte auf der Matte, damit es dann um zehne endlich losgeht. Dann wird der Rohling angeliefert und vor Ort zugeschnitten. Das Ganze dann für schlappe 70 €, zu Hause 200.
Den Konstrukteur unserer Seilwinde sollte man an der nächsten Laterne baumeln lassen, denn ihm haben wir es zu verdanken, dass bei Flußdurchfahrten Wasser ins Innere gelangt und Rost ansetzt.
So wird sie bei einem Hydraulikspezialisten an einem Tag ausgebaut, am nächsten Tag zerlegt und am dritten Tag wieder eingebaut. Da Chef Andrés auch Drehmaschinen hat, lassen wir uns noch unsere ausgeleierten Buchsen vom Hinterachsstabilisator neu drehen, dessen Material ich vorher als Rohling gekauft habe.
Alles zusammen kostet uns der Aufwand 1000 Pesos (250 €) inklusive einer Einladung zum Asado bei Andrés und seiner Familie. Zuhause hätten mich wahrscheinlich nur die Buchsen für den Stabi 250 € gekostet. Nachdem alle Arbeiten erledigt sind, drehen wir mal wieder ein paar Runden mit Fabián durch die Berge Mendozas.
Ein Besuch der 220 Km entfernten Laguna del Diamante sollte man sich nicht entgehen lassen. Doch Achtung, Hunde verboten. Am Eingang des Parks werden sogar Kontrollen gemacht. Sie schauen in unseren Koffer, wir haben allerdings die Hunde im Fahrerhaus versteckt. Nur mit Mühe kann Marion den neugierigen Whisky im Fußraum halten, Eros verpennt natürlich wieder alles. Bei 3300 Höhenmetern und herrlicher Offroadstrecke erstrahlt dann die Lagune in ihrem Azurblau, im Hintergrund der 5200 Meter hohe Vulkan Maipo.
Dann bietet sich noch Fabián's Freund Roberto an mit uns eine 4x4-Strecke um Uspallata zu machen. Hier brauchen wir an manchen Stellen alle Hebel, die wir am Armaturenbrett zur Verfügung haben, bei Steigungen, dass uns die Spucke wegbleibt. Ich habe zum Teil nicht gedacht, dass wir da hoch kommen. Oben angekommen haben wir einzigartige Ausblicke auf die schneebedeckten Anden mit dem Berg Aconcagua.
Unsere Fahrzeugversicherung ist abgelaufen. Wir werden bei der San Cristobal Vertretung in Mendoza vorstellig. Alles kein Problem, allerdings nur für 6 Monate max., aber dafür 50% billiger als in Buenos Aires.
Nach 2 Wochen bei Fabián wird es Zeit weiter zu ziehen, denn wenn wir wieder nach Chile wollen, müssen wir uns sputen, da schon die ersten Pässe wegen Schneefall gesperrt wurden. Fabián scherzt noch, nun hätten wir den MAN runderneuert und hätten für die nächsten 100000 Km nichts zu befürchten. Wir verabschieden uns. 120 Km später bei 80 Sachen blockieren uns die Hinterräder. Mit schlingerndem Heck schaffe ich es gerade noch auf den Seitenstreifen, eine nach Gummi stinkende Wolke umgibt uns. Marion, weiß wie die Wand und zitternd, fragt nur, was war das denn? Ich, bin ich Jesus, habe ich Löcher in den Händen? Nach kurzer Inspektion wird die Ursache unserer tollkühnen Bremsaktion sichtbar. Ein durchgescheuerter Luftschlauch der Handbremse hat sich plötzlich verabschiedet und uns diesen Schreck beschert. Ich tausche kurzerhand den ganzen Schlauch von vorne bis hinten aus, aber auch nur weil MAN meinte an unserer Handbremse 9mm Schläuche verarbeiten zu müssen und wir nur 8mm oder 10mm Verschraubungen für die Reparatur haben. 1 1/2 Stunden später sind wir wieder im Rennen und auf dem Weg nach Alaska.
Der zweite Schock des Tages abends in der Pampa. Ein lauer Herbstabend, wir spazieren noch ein paar Meter mit Eros und Whisky in einem Flussbett. Im letzten Moment und direkt vor meinen Füßen macht sich eine 1½ Meter lange Schlange von dannen, giftig oder nicht. Die Viecher sind so gut getarnt, dass sie kaum zu erkennen sind. Wenn die sich nicht bewegt hätte, wäre ich mit Sicherheit drauf getreten. Damit haben wir mal wieder nicht gerechnet.
Wir steuern den Provinzialpark Ischigualasto an. Für 15 Pesos p.P. Eintritt, übrigens das 3fache was ein Argentinier bezahlt, können wir im Konvoi in den Park fahren, sogar mit Hunden, wenn sie denn im Fahrzeug bleiben. Allerdings ist es rausgeworfenes Geld. Nichts , was man nicht schon hundertfach in freier Natur gesehen hätte. Na, und weil meine Marion noch unbedingt in den Nationalpark Talampaya muss, werden wir da auch noch vorstellig. Allerdings verschlägt es mir hier die Sprache und ich bin kurz davor den Park sausen zu lassen. 12 Pesos Eintritt p.P., 38,50 Pesos p.P. für die Fahrt mit dem Bus (keine andere Wahl) und abends kommt dann noch so ein Hutzelzwerg, der auch noch 3 Pesos p.P. für die Übernachtung auf dem Parkplatz haben will.
Fairerweise muss ich zugeben, dass man Duschen und Toiletten benutzen kann. Der bislang teuerste Park in Argentinien. Sehenswert ist er schon, der Preis ist allerdings bei weitem nicht gerechtfertigt. Zum anderen wird man mit normalen Kleinbussen reingekarrt, die dann, wie in unserem Fall, im Sand stecken bleiben. Dann kommen sie mit einem Toyota Pickup und wollen diesen tonnenschweren Bus rausziehen, diese Hammerwerfer.
Wir werden zum Teil auf Pickups verladen und die Tour wird fortgeführt bei sehr schlechter Organisation. Mein Bedarf an Parks ist vorerst gedeckt!
Über San José de Jachal wollen wir nun endgültig Argentinien verlassen, aber wir brauchen ja wieder die Reisepapiere für unserer beiden Kampfdackel. Aber in diesem Kaff sind sie so blöd, dass sie die Schweine beißen. Was, man braucht eine Genehmigung um mit einem Hund nach Chile zu kommen? Erklärungen unsererseits schlagen fehl, gefrustet verlassen wir die Büros und entschließen uns ca. 150 Km südlich nach San Juan zu fahren, wo man hoffentlich etwas besser aufgeklärt ist. Zur SENASA in der Barrionuevo 2299 läßt man sich besser mit dem Taxi fahren, denn das Büro liegt in einer Wohnsiedlung, deren Strom- und Telefonleitungen so niedrig hängen, dass ab jetzt einige Haushalte auf unabsehbare Zeit auf diesen Komfort verzichten müssen.


Hurra, wir sind nun endlich im Besitz dieser für uns äußerst wichtigen Papiere und brummen wieder die 150 Km zurück, um nach 341 Tagen Argentinien zum allerletzten Mal über den Paso del Agua Negra zu verlassen. Dieser Pass ist eine Augenweide und für uns der höchste und schönste Pass, den wir bislang überquert haben. In endlosen Serpentinen, anfangs auf Asphalt, später Piste, schrauben wir uns stetig von ca. 1000 Meter auf den höchsten Punkt, wo sich unser GPS bei 4766 Metern einpendelt. Wir verlassen allerdings diesen Platz recht schnell, da sich bei uns beiden Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen äußerst unangenehm bemerkbar machen. So verlassen wir Argentinien am 12.04.07 Richtung Chile.
Bis dahin. Marion, Walter, Whisky und Eros.



